Donnerstag, 5. Juni 2014

Seite 11: Vorwort – siebter Abschnitt

Ich bin ein Aspie.

Teil davon, ein Aspie zu sein ist es, Probleme mit der sozialen Interaktion und Kommunikation zu haben.

Daher ist es auf jeden Fall eine wirklich gute Idee, Konzepte zu entwickeln, die Menschen wie mir helfen sollen, die sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

Wie ich gelesen habe, soll es einige schriftliche Anleitungen zur Verbesserung der sozialen Kompetenzen geben, wurden aber, in erster Linie zur Behandlung von Angststörungen geschrieben und entwickelt.

He, so ein Zufall: da ich selber und höchstpersönlich unter diversen Angststörungen leide, ja, ich schreibe mit voller Absicht leiden, kann das für mich nur von Vorteil sein.

Schliesslich bedeutet das, dass diese Manuals schon seit einiger Zeit im Umlauf sind und von daher auch schon sehr oft getestet worden sind und sicher sind auch schon einige Verbesserungen vorgenommen worden.
So gesehen, denke ich für meinen Teil, dass diese Anleitungen auch gut für mich sein könnten. Vielleicht sollte ich die einmal für mich in Anspruch nehmen.

Warum aber, können diese Manuals für Leute wie mich genommen werden?

Es liegen, wenn alles stimmt, ähnliche Verhaltensweisen vor: Unsicherheit in der Kommunikation, Probleme bei der Kontaktaufnahme mit anderen Menschen und, wenn alles zu viel, viel zu viel wird, der Rückzug, oder gleich die Vermeidung.

Das kenne ich leider viel zu gut:
Es ist leider viel einfacher und viel zu einfacher, sich an einen sicheren Ort zurückzuziehen oder, den sicheren Ort gar nicht zu verlassen und so potentielle mühsame Situationen zu vermeiden.
Was jemand wie ich nicht bedenkt ist; es wird mit jedem Rückzug, jeder Vermeidung schwerer, zurückzukommen, schwerer, zu einem Leben fast ohne Angst, Rückzug und Vermeidung zurückzufinden.

Vielleicht liegt das daran, dass der Mensch, also auch ich, ein Gewohnheitstier ist und man sich sehr schnell daran gewöhnt, dass es so verlockend einfach ist, schwere, mühsame, peinvolle Situationen zu meiden.

Im ersten Augenblick fühlt man sich erleichtert, wird aber bald von den Ängsten wieder eingeholt und mit jedem mal fällt es einem schwerer, überhaupt zu überlegen und darüber nachzudenken, ob man sich der Situation stellen will oder nicht.

Schlussendlich ist man so weit, dass man sich die Frage gar nicht mehr stellt und sich gleich zurück zieht oder gleich im Bett oder auf der Couch liegen bleibt.

Wie gesagt, im ersten Augenblick scheint es viel einfacher zu sein. Scheint es das Leben viel einfacher zu machen.

Dass das ein trügerischer Trugschluss ist, merkt man leider erst mit der Zeit. Aber, zu diesem Zeitpunkt kann es schon fast zu spät sein, können sich die Probleme viel zu hoch aufgetürmt haben, wieder den Weg zurück in ein normales Leben zu gehen.

Diesen Punkt habe ich schon vor ein paar Jahren erreicht.

Was mir leider, leider, leider viel zu spät aufgefallen ist: je länger man wartet, desto mehr Probleme türmen sich auf, sammeln sich an, desto mehr davon müssen gelöst werden.
Schliesslich ist man an dem Punkt, an dem man, also ich, nicht mehr alleine vom Fleck kommt.
Man weiss einfach nicht, wo man anfangen soll. Ist erschlagen von all den Problemen, erschlagen von all dem Ärger, der sich nicht in Luft aufgelöst hat, sondern sich, im besten Fall potenziert hat.

Dann auch all die Dinge, die einem entgangen sind, weil man es nicht aus dem Haus geschafft hat, weil man es einfach nicht fertig bringt, sich jemandem zu öffnen, einfach mit jemandem zu reden.

Gut, für einen Aspie wie mich liegt das Problem sicher auch darin, dass ich selten jemanden habe finden können, der mich wirklich verstanden hat.

Das ist immer wieder so frustrierend.
Ich rede mit jemandem, öffne mich, fühle mich aber am Schluss unverstanden und bekomme das auch zu verstehen. Immer diese Fragezeichen in den Gesichtern meiner Mitmenschen.

Mich hat das immer weiter in den Abgrund gezogen. Mich hat das immer weiter in die Festung der Einsamkeit getrieben.
Für mich wurde es immer schwerer, mich anderen Menschen zu öffnen, mit anderen Menschen zu reden.


Dafür viel es mir immer leichter zu akzeptieren, dass ich ein Aussenseiter bin und, es sicher auch bis zu meinem Lebensende bleiben werde.

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