Wieder ein Wort, welches ich bis heute eigentlich nie
wirklich wahrgenommen haben:
Übersensibilität.
Was für ein Wort. Da kommt man sich ja wie ein Weichei vor,
im ersten Augenblick des Gedankens auf jeden Fall. Zwei Sekunden später ist mir
klar: ich kann ja gar nichts dafür.
Es ist wie es ist.
Lärm zum Beispiel: Einerseits kann ich mit Lärm nicht
wirklich leben, weil es mich einfach stört und ich dabei oft das Gefühl habe,
meine eigenen Gedanken nicht hören / lesen / fühlen zu können, auf der anderen
Seite mag ich Lärm auch nicht, weil ich ja niemanden stören will. Soll heissen:
ich habe immer das Gefühl, wenn ich zu laut bin, sei es auch nur mit der
Tastatur, könnte sie jemand gestört fühlen und mit mir eine Diskussion anfangen
wollen, böse auf mich sein, sogar wütend und mich dann zusammenstauchen. Das
ich dem aus dem Weg gehen will, ist ja sicher verständlich.
Es gibt Tage, da meint es meine Nase viel zu gut mit mir. Da
rieche ich Dinge / Gerüche, die andere kaum wahrnehmen. Teilweise muss ich mich
dann an einen anderen Ort flüchten, um wieder durchatmen zu können.
Es gibt auch Gerüche, bei denen es mir schlicht und
ergreifend einfach übel wird, bis zu dem Punkt, wo ich mich beinahe übergeben
muss. Kein wirklich tolles Gefühl. Ich spreche nicht nur von müllartigen
Gerüchen, es gibt auch Parfüms, die diese Wirkung auf mich haben, oder
irgendwelche Schminke. Das ist auch der Grund, warum mir Frauen mit zu viel
Kriegsbemalung nicht zu nahe kommen dürfen und, wenn sie es doch machen, werfe
ich so viele schlechte Scherze über das Schminken, das Alter und so weiter in
die Waagschale, bis sie die Flucht ergreifen. Natürlich könnte auch ich mich
zurückziehen, aber, he, ich bin ja nicht der, der mit der Schminke um sich
wirft. Ich bin ja nicht der, der meint von einem Indianerstamm abzustammen.
Wobei ich mich gerade frage: das mit dem Schminken, das hat sicher etwas mit
Kriegsbemalung zu tun? Anders kann ich mir das nicht wirklich vorstellen.
Das mit dem Geruch hat schon ab und zu, zu gewissen
Problemen geführt.
Ich kann mich an eine Diskussionsrunde erinnern, als ein
übler Geruch mich die ganze Zeit so abgelenkt hat, dass ich mich keine zwei
Sekunden auf das Thema habe konzentrieren können. Den anderen hat es nicht wirklich
viel ausgemacht. Die meinten, ich soll mich nicht so benehmen, so schlimm würde
es ja auch nicht duften, aber eben, für mich war es doch wenig zu viel.
Auch der Lärm. Eine der absoluten Horrorvorstellungen für
mich: in einem Grossraumbüro ein Telefonat zu führen. Immer, immer, immer,
immer und immer wieder stelle ich mir diese eine Frage: wie machen das meine
Mitmenschen?
Während ich so ein Telefonat führe, habe ich oft das
Problem, nicht alles mitzubekommen. Das führt dazu, dass ich ab und zu das Telefon
nehmen muss, um an einen ruhigeren Ort zu wechseln. Warum? Damit ich alles
mitbekomme und es nicht zu Missverständnissen kommt.
Es ist für mich schon schwer genug, ohne den Lärm alles zu
verstehen, was gesagt wird, da ich immer wieder gewisse Sachen für mich selber
übersetzen muss, oder ich ab und zu gezwungen bin, nachzufragen, ob ich das
Gesagte richtig verstanden habe. Aber, es gibt halt auch Tage, da traue ich
mich nicht nachzufragen, weil ich das Gefühl habe, mein Gegenüber würde dann
denken, ich sei blöd, langsam oder was auch immer.
Kleider.
Um es kurz zu machen: ich trage gerne immer die gleichen
Kleider und das so lange, bis es mehr Löcher als Stoff hat.
Auch mit den Schuhen gehe ich so weit: erst wenn die Sohle
zur Hälfte runter ist, gehe ich mir neue Schuhe kaufen. Aber, da liegt das
Problem sicher auch daran, dass ich mich in der grossen weiten Welt nicht
wirklich wohl fühle, immer wieder mit Angst- und Panikzustünden zu kämpfen /
leben / diskutieren habe.
Einschub:
Wie habe ich es eigentlich geschafft, bis heute zu
überleben?
Das muss ein Höllenjob gewesen sein. Habe ich irgendwelche
Drogen genommen? Nein, eigentlich nicht, oder? Oder hat mir jemand Drogen
eingeworfen, ohne dass ich es bemerkt habe?
Es ist doch so .. ich lebe noch .. aber ….. warum
eigentlich.
Bei all den Gedanken zum Thema Selbstmord, ist die Frage
doch noch berechtigt.
Dann wären noch die zwei, wenn auch halbherzigen, Versuche,
meinem Leben ein Ende zu bereiten.
Und, ich lebe noch. Bin noch da. Was da auch immer heissen
mag und zu bedeuten hat.
Ich wandere noch immer über diesen Planeten. Obwohl ich
keine Ahnung habe, wo der Anfang war, wo ich gerade bin und wohin ich gehen
werde und, wohin ich eigentlich gehen soll.
Noch immer stolpere ich jeden, fast jeden Tag, über Menschen,
zwischen Menschenmassen hindurch und kämpfe noch immer, jedesmal, mit der Angst
und der Angst vor der Panik, die mich da draussen, unter all den Menschen,
ergreifen könnte.
Jeden Tag stelle ich sie mir.
Die Frage.
Diese eine, von vielen, Frage: warum nehme ich das noch
immer alles auf mich? Es gibt doch wirklich keinen echten guten und
vernünftigen Grund, warum ich das auf mich nehmen muss und soll.
Es kann mir wirklich keiner und keine mit gutem Gewissen
sagen, dass das Leben nur auf diese Art und Weise einen Sinn ergibt.
Vielleicht ist es aber auch so, dass es mir einfach nicht
möglich ist, den Sinn des Lebens zu sehen. Vielleicht sehe ich ihn zwar, aber
nur im Sinne von übersehen.
Warum lebe ich eigentlich noch?
Inzwischen habe ich schon so oft über das Thema sich selber
aus dem Spiel nehmen nachgedacht und so viele Methoden entwickelt, wie ich mich
selber auf Off stellen kann, dass ich ein Buch zu diesem Thema schreiben
könnte, das mehr Seiten hätte, als The Stand von Stephen King.
Eigentlich könnte ich eine Hotline auf die Beine stellen, wo
die anrufen können, die noch den einen oder anderen Tippen gebrauchen könnten
zum Thema: wie gebe ich mein Leben am besten auf.
Also gut, ja, das zwar jetzt gerade doch ein wenig zynisch,
sogar für meine Verhältnisse. Obwohl, für eine Verhältnisse? Ja, doch, auf für
meine Verhältnisse.
Ich merke gerade, dass ich noch immer nicht weiss, warum es
mich noch gibt. Was ich hier eigentlich mache und warum ich das mache, von dem
ich keine Ahnung habe, warum ich es mache.
Was für ein Leben. Ich würde es gerne einmal, für ein zwei
oder drei Tage gegen ein normales (in meinen Augen normales) Leben eintauschen,
um mich ein wenig zu erholen und ein wenig zu chillen.
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