Fehlende Kontaktaufnahme.
Was ist hier genau gemeint?
Wenn ich von meinen Erfahrungen aus gehen müsste, würde ich
ja folgendes denken:
Es ist die Kontaktaufnahme von mir zu meinen Mitmenschen und
umgekehrt gemeint.
Wie ich auf diesen Gedanken komme?
Folgendes habe ich in meinem Leben festgestellt:
Schon immer war es für mich ein sehr grosses Problem, mit
meinen Mitmenschen in Kontakt zu treten.
Auf der anderen Seite hatte ich schon immer das Gefühl, dass
es meinen Mitmenschen nicht immer ganz einfach gefallen ist, mit mir in Kontakt
zu treten.
Eines Tages ist mir aufgefallen, …. ,
IST JA GUT ..
Es wurde mir deutsch und deutlich mitgeteilt, gesagt,
erzählt, mit ab und zu sehr lauten Lauten, dass es meinen Mitmenschen ab zu
vorkommt, ein Minenfeld zu betreten.
Wie ich bin, wollte ich das anfangs, und für eine gewisse
längere Zeit nicht glauben (weil da halt schon wieder eine Mine explodiert
war).
Aber auch für mich kam der Tag, an dem ich mich wenigstens
einer Wahrheit stellen musste. Ich fing also an, mich, im übertragenen Sinn, zu
beobachten, wenn ich, was eh selten genug vorkam, mit meinen Mitmenschen in
Kontakt zu treten.
Es dürfte keine wirkliche Neuigkeit und Überraschung sein,
dass selbst mir, der sich sonst solche Sachen noch einigermassen zurechtlügen
kann, keine Wahl mehr blieb, als mir einzugestehen: Ja, mit dem Herrn Kummer zu
sprechen, das ist nicht wirklich einfach und, das mit dem Minenfeld, ist nur
eine gute Metapher, wenn man davon ausgeht, dass das Minenfeld 100 auf 100
Kilometer gross ist und das ganze Feld aus einer Mine besteht, die 100 auf 100
Kilometer gross und genau so tief ist. Soll heissen; keiner hatte eine Chance,
aber auch wirklich keiner.
Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass es den einen oder
anderen Weg gibt, um dafür zu sorgen, den Leuten abzugewöhnen, mit mir reden zu
wollen.
Das ging meistens so vonstatten und hat von meiner Seite mal
mehr, mal weniger Geduld verlangt: Sobald jemand mit mir angefangen hat in
Kontakt zu treten, habe ich gewartet, bis mein Gegenüber etwas gesagt hat, dass
ich, auf Teufel komm raus, ganz brutal falsch verstehen konnte. Das gab mir die
Gelegenheit, meinem Gesprächspartner in den Satz zu fallen und den Wütenden,
den Ärgerlichen zu geben.
Dabei war ich so überzeugend, mit der Zeit auf jeden Fall,
dass es mehr als einmal vorgekommen ist, dass es Männer und Frauen gab, die
sich der Aufgabe der Kontaktaufnahme mit mir, nur einmal stellten und mir dann
aus dem Weg gegangen sind.
Nur: eigentlich war ich nicht wütend.
Ich unsicher.
Ich war verunsichert.
Ich hatte Angst.
Ich wusste nicht, wie ich reagieren soll.
Ich hatte keinen Plan, was ich sagen sollte.
Ich hatte so was von Angst davor, dass ich etwas wirklich
dummes von mir gebe und dann auch als dumm gelte.
Ich hatte auch keinen blassen Schimmer, warum überhaupt nur
jemand mit mir reden wollte? Warum mit mir? Da gab es doch wirklich keinen
Grund dafür? Ich war so interessant wie ein Fussnagel. Ich hatte nichts zu
sagen. Ich hatte keine speziellen Fähigkeiten. Ich hatte kein lustiges,
gefährliches oder sonstiges Hobby. Nichts, dass mich für jemand anderen auch
nur im Ansatz hätte interessant machen können.
Aber gut ..
Zwanghafte Spielgewohnheiten? Beim besten Willen .. da kann
ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern.
Ich weiss nur, dass ich bei Vier Gewinnt, Mühle, Backgammon
so ziemlich immer verloren habe. Warum, weiss ich auch nicht mehr, aber,
verloren habe. Bei Mühle vor allem gegen meine Grossmutter.
Es kann gut sein, dass ich, wenn es mir erlaubt ist, meinen
Gedanken fertig zu denken, dass ich aus diesem Grund nicht gerne spiele.
Ich habe wohl so oft verloren, dass es mir mit der Zeit
einfach nur peinlich geworden ist und ich, mit dem Nichtspielen verbergen
wollte, dass mein Selbstvertrauen zehn Meter unter der Erde zu finden war.
Daher spiele ich auch heute noch nicht. Ich habe die
wirklich grosse Angst, dass die Leute denken, wenn ich auch nur eine falsche
Antwort gebe, dass ich blöd und blöder bin und mich dann sogar auslachen
könnten.
Ja, ausgelacht zu werden. Davor habe ich eine Heidenangst.
Es gibt nicht viel, dass mir mehr Angst macht und mich schneller verstummen
lässt, als die Angst davor, ausgelacht zu werden.
Was soll ich bloss darunter, darüber, mittendrinnen
verstehen, wenn geschrieben steht: Eigentümlichkeiten in der
Sprachentwicklung“.
Das Verstehe ich im Augenblick nicht so ganz. Ich sehe
lauter Fragezeichen, die imaginär vor mir herschweben, das eine lacht mich an,
das andere lacht mich aus, ein drittes steht vor der Türe und weiss nicht, ob
es raus oder ganz raus oder vielleicht doch raus will.
Eigentümlichkeiten in der Sprachentwicklung. Da stelle ich
mir auch die Frage, ob das nett oder bös, positiv oder negativ gemeint ist.
Ich meine, oder bin der festen Meinung, wie auch immer: das
kann jetzt falsch verstanden werden und einem Aspie das Gefühl geben, dass das
etwas schlechtes, vielleicht sogar sehr schlechtes ist.
So sollte in einem solchen Buch nicht geschrieben werden. Es
darf nicht das Gefühl vermittelt werden, dass so etwas schlecht ist.
Das nervt mich jetzt doch gerade ein wenig.
Echt .. hmmmm
Vielleicht übertreibe ich auch nur ein ganz klein wenig.
Oder noch weniger? Ne, ich denke nicht. Das sollte in so einem Buch schon
richtig dargestellt werden. Es geht doch darum zu helfen.
Mit negativen Darstellungen kann nicht geholfen werden,
höchstens mit Stuhl und Seil zum nächsten Baum mit einem Ast der stark genug
ist.
Hmm
Hmmmmmmmmmmmmmm
Gääääääääääähhhnnnnn
Meist unfähig …. geringen sozialen Anforderungen zu genügen.
Wow, das liest sich sehr hart. Das hat mich jetzt doch ein
wenig schlucken lassen .. ausserdem hat sich mein Blutdruck gleich einmal
verabschiedet.
Ja, die Wahrheit tut weh.
Wie oft habe ich mir schon gewünscht, das ganze soziale
Zeugs besser intus zu haben. Besser mit meinen Mitmenschen umgehen zu können.
Aber auch für mich ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich
mir eingestehen musste: junge, das wird in dem Leben sicher nichts mehr.
Vielleicht, weil ich schon so oft von meinen Mitmenschen
enttäuscht worden bin, weil ich so oft von mir selber enttäuscht worden bin,
weil ich so oft aufgegeben habe, weil andere so oft aufgegeben haben. Weil ich
mich so oft selber nicht verstanden habe und oft das Gefühl hatte, nicht mal
mit mir selber wirklich und richtig kommunizieren zu können.
Das hat mich jetzt doch ein wenig traurig gemacht und werden
lassen.
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