Freitag, 6. Juni 2014

Seite 13: Kapitel 01 – zweiter Abschnitt

Fehlende Kontaktaufnahme.

Was ist hier genau gemeint?

Wenn ich von meinen Erfahrungen aus gehen müsste, würde ich ja folgendes denken:

Es ist die Kontaktaufnahme von mir zu meinen Mitmenschen und umgekehrt gemeint.

Wie ich auf diesen Gedanken komme?

Folgendes habe ich in meinem Leben festgestellt:

Schon immer war es für mich ein sehr grosses Problem, mit meinen Mitmenschen in Kontakt zu treten.

Auf der anderen Seite hatte ich schon immer das Gefühl, dass es meinen Mitmenschen nicht immer ganz einfach gefallen ist, mit mir in Kontakt zu treten.

Eines Tages ist mir aufgefallen, …. ,
IST JA GUT ..

Es wurde mir deutsch und deutlich mitgeteilt, gesagt, erzählt, mit ab und zu sehr lauten Lauten, dass es meinen Mitmenschen ab zu vorkommt, ein Minenfeld zu betreten.

Wie ich bin, wollte ich das anfangs, und für eine gewisse längere Zeit nicht glauben (weil da halt schon wieder eine Mine explodiert war).

Aber auch für mich kam der Tag, an dem ich mich wenigstens einer Wahrheit stellen musste. Ich fing also an, mich, im übertragenen Sinn, zu beobachten, wenn ich, was eh selten genug vorkam, mit meinen Mitmenschen in Kontakt zu treten.

Es dürfte keine wirkliche Neuigkeit und Überraschung sein, dass selbst mir, der sich sonst solche Sachen noch einigermassen zurechtlügen kann, keine Wahl mehr blieb, als mir einzugestehen: Ja, mit dem Herrn Kummer zu sprechen, das ist nicht wirklich einfach und, das mit dem Minenfeld, ist nur eine gute Metapher, wenn man davon ausgeht, dass das Minenfeld 100 auf 100 Kilometer gross ist und das ganze Feld aus einer Mine besteht, die 100 auf 100 Kilometer gross und genau so tief ist. Soll heissen; keiner hatte eine Chance, aber auch wirklich keiner.

Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass es den einen oder anderen Weg gibt, um dafür zu sorgen, den Leuten abzugewöhnen, mit mir reden zu wollen.

Das ging meistens so vonstatten und hat von meiner Seite mal mehr, mal weniger Geduld verlangt: Sobald jemand mit mir angefangen hat in Kontakt zu treten, habe ich gewartet, bis mein Gegenüber etwas gesagt hat, dass ich, auf Teufel komm raus, ganz brutal falsch verstehen konnte. Das gab mir die Gelegenheit, meinem Gesprächspartner in den Satz zu fallen und den Wütenden, den Ärgerlichen zu geben.

Dabei war ich so überzeugend, mit der Zeit auf jeden Fall, dass es mehr als einmal vorgekommen ist, dass es Männer und Frauen gab, die sich der Aufgabe der Kontaktaufnahme mit mir, nur einmal stellten und mir dann aus dem Weg gegangen sind.
Nur: eigentlich war ich nicht wütend.

Ich unsicher.

Ich war verunsichert.

Ich hatte Angst.

Ich wusste nicht, wie ich reagieren soll.

Ich hatte keinen Plan, was ich sagen sollte.

Ich hatte so was von Angst davor, dass ich etwas wirklich dummes von mir gebe und dann auch als dumm gelte.

Ich hatte auch keinen blassen Schimmer, warum überhaupt nur jemand mit mir reden wollte? Warum mit mir? Da gab es doch wirklich keinen Grund dafür? Ich war so interessant wie ein Fussnagel. Ich hatte nichts zu sagen. Ich hatte keine speziellen Fähigkeiten. Ich hatte kein lustiges, gefährliches oder sonstiges Hobby. Nichts, dass mich für jemand anderen auch nur im Ansatz hätte interessant machen können.

Aber gut ..

Zwanghafte Spielgewohnheiten? Beim besten Willen .. da kann ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern.

Ich weiss nur, dass ich bei Vier Gewinnt, Mühle, Backgammon so ziemlich immer verloren habe. Warum, weiss ich auch nicht mehr, aber, verloren habe. Bei Mühle vor allem gegen meine Grossmutter.
Es kann gut sein, dass ich, wenn es mir erlaubt ist, meinen Gedanken fertig zu denken, dass ich aus diesem Grund nicht gerne spiele.

Ich habe wohl so oft verloren, dass es mir mit der Zeit einfach nur peinlich geworden ist und ich, mit dem Nichtspielen verbergen wollte, dass mein Selbstvertrauen zehn Meter unter der Erde zu finden war.

Daher spiele ich auch heute noch nicht. Ich habe die wirklich grosse Angst, dass die Leute denken, wenn ich auch nur eine falsche Antwort gebe, dass ich blöd und blöder bin und mich dann sogar auslachen könnten.

Ja, ausgelacht zu werden. Davor habe ich eine Heidenangst. Es gibt nicht viel, dass mir mehr Angst macht und mich schneller verstummen lässt, als die Angst davor, ausgelacht zu werden.
Was soll ich bloss darunter, darüber, mittendrinnen verstehen, wenn geschrieben steht: Eigentümlichkeiten in der Sprachentwicklung“.
Das Verstehe ich im Augenblick nicht so ganz. Ich sehe lauter Fragezeichen, die imaginär vor mir herschweben, das eine lacht mich an, das andere lacht mich aus, ein drittes steht vor der Türe und weiss nicht, ob es raus oder ganz raus oder vielleicht doch raus will.

Eigentümlichkeiten in der Sprachentwicklung. Da stelle ich mir auch die Frage, ob das nett oder bös, positiv oder negativ gemeint ist.

Ich meine, oder bin der festen Meinung, wie auch immer: das kann jetzt falsch verstanden werden und einem Aspie das Gefühl geben, dass das etwas schlechtes, vielleicht sogar sehr schlechtes ist.
So sollte in einem solchen Buch nicht geschrieben werden. Es darf nicht das Gefühl vermittelt werden, dass so etwas schlecht ist.
Das nervt mich jetzt doch gerade ein wenig.

Echt .. hmmmm

Vielleicht übertreibe ich auch nur ein ganz klein wenig. Oder noch weniger? Ne, ich denke nicht. Das sollte in so einem Buch schon richtig dargestellt werden. Es geht doch darum zu helfen.
Mit negativen Darstellungen kann nicht geholfen werden, höchstens mit Stuhl und Seil zum nächsten Baum mit einem Ast der stark genug ist.

Hmm

Hmmmmmmmmmmmmmm

Gääääääääääähhhnnnnn

Meist unfähig …. geringen sozialen Anforderungen zu genügen.
Wow, das liest sich sehr hart. Das hat mich jetzt doch ein wenig schlucken lassen .. ausserdem hat sich mein Blutdruck gleich einmal verabschiedet.

Ja, die Wahrheit tut weh.

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, das ganze soziale Zeugs besser intus zu haben. Besser mit meinen Mitmenschen umgehen zu können.

Aber auch für mich ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mir eingestehen musste: junge, das wird in dem Leben sicher nichts mehr.

Vielleicht, weil ich schon so oft von meinen Mitmenschen enttäuscht worden bin, weil ich so oft von mir selber enttäuscht worden bin, weil ich so oft aufgegeben habe, weil andere so oft aufgegeben haben. Weil ich mich so oft selber nicht verstanden habe und oft das Gefühl hatte, nicht mal mit mir selber wirklich und richtig kommunizieren zu können.


Das hat mich jetzt doch ein wenig traurig gemacht und werden lassen.

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