Entwicklungsstörungen.
Als ich das Wort zum ersten mal im Zusammenhang mit
Asperger-Autismus gelesen habe, wurde ich ein wenig bleicher und mein Blut, das
hat sich zu einem kurzen Meeting in meinen Füssen versammelt.
Was sollte das heissen? Störung? Entwicklung? Soll das
heissen, dass es wahr ist und ich bin gestört, im schlechten bis zum ganz
schlechten Sinn? Meine Entwicklung ist also gestört? Es hat Probleme und
möglicherweise Fehler gegeben bei meinem erwachsenwerden?
Wie gehabt. Das ist ein Wort, dass wenigstens mir, in diesem
Zusammenhang einiges an Kopfzerbrechen gemacht hat.
„Die tiefgreifenden
Entwicklungsstörungen sind,
in Abgrenzung zu den umschriebenen bzw. spezifischen Entwicklungsstörungen,
gekennzeichnet durch eine Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen
Beziehungen sowie
durch ein beschränktes Repertoire an Aktivitäten. Diese Störungen sind angeboren oder im frühesten Kindesalter erworben, und die
ersten Symptome zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr.
Die Entwicklung ist zu keinem Zeitpunkt dem Alter entsprechend.“
Das habe ich gefunden, als ich, wieder einmal mehr,
Wikipedia zu Rate gezogen habe.
Gerade hatte ich einen kleineren Schwächeanfall, als ich das
gelesen habe. ….. zu keinem Zeitpunkt dem Alter entsprechend.
Wusste ich es doch. Ich habe mich selten, wenn ich das so
sagen darf, dem Alter nach gefühlt. Dem Passalter nach auf jeden Fall.
Es gibt Tage, da fällt mir ein, dass ich ja schon über 40
Jahre alt bin und dann, wird mir ein wenig schwindelig, weil ich irgendwie das
Gefühl habe, nicht so alt zu sein, sondern mich eher noch wie jemand fühle, der
erst halb so alt ist.
Je nach Situation und den Gedanken, die vorausgegangen sind,
fühle ich mich zwischen 10 und 40 Jahren alt.
Da geht mir gerade folgender Gedanke durch den Kopf:
Ich konnte schon sehr früh und sehr gut lesen und auch meine
Ausdrucksweise war weiter, als die von Gleichaltrigen. Das ist einigen Leuten
aus meiner näheren Umgebung immer wieder aufgefallen.
Waren wir mit dem Auto unterwegs, habe ich versucht jedes
Strassenschild zu lesen, und auch alles andere, das sich gerade in Reichweite
befunden hat. Für mich war das etwas selbstverständliches. Für meine Mutter und
andere, war dem aber nicht so. Die waren einerseits stolz auf mich, auf der
anderen Seite immer wieder verwundert, warum ich das so früh so gut konnte.
Das ich keine Antwort darauf geben konnte, ist sicher klar
und verständlich. Wie gesagt: für mich war das etwas ganz normales.
Aber, es war schon früh so, dass es nicht wirklich viel
gegeben hat, dass mich interessiert hat.
Mein Spielzeug habe ich meistens dazu verwendet, um es
auseinanderzunehmen, weil ich wissen wollte, wie es funktioniert. Schon früh
hatte ich den Wunsch, wenn auch nicht bewusst, viel wissen zu wollen.
Kein Wunder hat man mir nie viel geschenkt. Warum auch? Es
war ja ganz klar, dass es nicht lange überleben würde. Verstanden hat man mich
auf jeden Fall nicht, was ich aber niemandem zum Vorwurf mache. Wer kommt schon
auf die Idee, dass ein kleiner Junge, die Dinge nicht kaputt macht, sondern sie
in seine Bestandteile zerlegt, weil er dazu lernen möchte?
Daneben habe ich sehr viel gelesen. Auch war damals schon
der Fernseher wichtig für mich. Bewegte Bilder. Das hat Spass gemacht und hat
mich in seinen Bann gezogen. Warum das so war, kann ich heute nicht mehr sagen.
Leider kann ich das nicht mehr sagen.
Vielleicht hat es mir schon damals geholfen, mich zu
entspannen, der Einsamkeit zu entkommen und war eine angenehme Möglichkeit,
nicht mit Gleichaltrigen etwas unternehmen zu müssen.
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