persistieren
per|sis|tie|ren
〈V.〉
1 〈veraltet〉
(auf etwas) bestehen, insistieren, nicht (von etwas) ablassen
2 〈Med.〉
fortdauern, anhalten (von Krankheiten)
[< lat. persistere]
Da sitze ich also wieder einmal an
meinem Tisch und lese. Dann taucht mitten im Satz dieses Wort auf:
persistieren. Coole Sache, doch, das Wort imponiert mir so was von ganz
gewaltig.
Ja, aber ich denke, der Autor
hätte von Anfang an schreiben können, dass die Störung von der Kindheit bis zum
Tod anhält. Was wäre das einfacher gewesen.
Persistieren. Also echt. Mir geht
gerade durch den Kopf, dass so viele, oder auch weniger, Menschen sich immer
wieder beschweren, dass die Deutsche Sprache dem Untergang geweit sei. Wenn ich
so ein Wort in einem Satz sehe, dann habe ich den leisen Verdacht, dass sie
recht haben könnten.
Nosologie
No|so|lo|gie
〈f.; –, –n; Med.〉
Zweiggebiet der Pathologie, das sich mit der systematischen
Beschreibung der Krankheiten befasst, Krankheitslehre
[< Noso… +…logie]
Pathologie
Pa|tho|lo|gie
〈f.; –; unz.; Med.〉
Lehre von den Krankheiten
[< mlat. pathologia < grch.pathos »Leiden, Krankheit« + …logie]
schizoid
Für einen Satz musste ich diese Wörter nachschlagen und, he, den
Satz verstehe ich noch immer nicht ganz. Auf jeden Fall bin ich mir nicht ganz
sicher, ob ich den Satz richtig verstanden habe.
Das ist dann bei mir oft der Moment, wo ich das Buch zur Seite
lege und mir sage: Scheiss drauf .. wenn es jemand nötig hat, so zu schreiben,
will er oder sie vielleicht gar nicht, dass man versteht, um was es eigentlich
geht. Er oder sie will vielleicht missverstanden werden.
Für was gibt es eigentlich die Deutsche Sprache, wenn man sie
nicht anwendet????
So, machen wir weiter im Buch.
Jetzt fängt es an, interessant zu werden.
Wie festgestellt worden ist, fallen Kinder ab dem dritten
Lebensjahr durch eine besondere Wesensart auf.
Wobei ich mich gerade frage: was bedeutet in diesem Zusammenhang
Wesensart? Soll ich hier mit Persönlichkeit, Charakter, Wesen, Veranlagung
übersetzen?
Veranlagung hört sich sicher mal gut an. Ja, ich denke, in diesem
Zusammenhang lässt sich damit sehr gut arbeiten?
Wie zeigt sich das nun bei den Kindern?
„Den Kindern fehlt das kindhafte“. Ich für meinen Teil habe es so
übersetzt, um damit arbeiten zu können: Es sind Jugendliche / Erwachsene im
Körper eines kleinen Kindes. Sie lesen viel, bleiben lieber für sich alleine,
halten sich gerne von anderen fern, zeigen wenige bis sehr wenige
Gefühlsregungen.
Was zu allem hinzukommt und, von mir aus gesehen eine sehr gute
Sache sein kann; es hat Aspies, die sehr bis hochbegabt sind, mit dem Nachteil,
dass sie im „richtigen, praktischen Leben“ ein „wenig“ ungeschickt sind oder
sein können.
Was erschwerend hinzukommt: es fällt Asperger-Autisten oft schwer
bis sehr schwer, sich in Gruppen einzuordnen, was auch das Spielen mit anderen
Kindern sehr schwer macht.
Wenn ich meine Augen nach innen verdrehe, ein wenig in meinen
Erinnerungen abtauche, stelle ich das eine oder andere fest:
Ja, als ich noch ein Kind war, habe ich wirklich schon sehr viel
gelesen. Ich sollte ja nicht damit angeben, aber ich denke einmal, dass ich
während meiner Zeit bei meiner Grossmutter, sicher über 1000 Romane gelesen
habe: Jerry Cotton, John Sinclair, Lassiter, G.F. Unger, Tony Ballard und noch
ein paar mehr. Sicher, das sind Romane, keine wirklich hochstehende Literatur,
aber he, gelesen ist gelesen.
Dann kommen noch alle Bücher dazu, die ich während meiner
Schulzeit gelesen habe. Ich gehe einmal davon aus: mit all dem könnte ich eine
kleine Bibliothek auffüllen. Oder ich müsste bei einem Haus mindestens ein
Stockwerk anbauen, damit ich das alles lagern könnte.
Was soll ich sagen: ja, schon während meiner Kindertagen blieb ich
gerne für mich alleine. Das hat daran gelegen, dass ich schon zu der Zeit so
was von gar keine Ahnung hatte, wie ich mit meinen Mitmenschen umzugehen hatte.
Da gab es auf der zwischenmenschlichen Ebene so vieles, dass ich nicht wusste,
nicht einmal wusste, wie man danach nachfragen sollte.
Ja, ich gebe es zu: ich wurde sehr schnell ärgerlich, wütend.
Damals wusste ich nicht, was da mit mir passiert. Heute sehe ich, dass ich
wütend wurde, weil ich einfach die ganze Zeit am Anschlag gelaufen bin.
Da gab es so vieles, das mich hat verzweifeln lassen. So vieles,
das mich hat am Anschlag laufen lassen. Immer wieder habe ich auf gewisse Dinge
falsch reagiert, aber, nur weil ich es nicht besser gewusst habe. So viele
Dinge, in Sachen Kommunikation, die nicht funktioniert haben: sei es, dass ich
etwas erklären wollte und mein Gegenüber mich einfach nicht verstanden habe.
Mit jedem neuen Anlauf der Erklärung lief es noch schlechter, was mich an mir
selber hat zweifeln lassen.
Mit der Zeit war ich so sehr davon überzeugt, dass ich einfach nur
dumm und blöd bin. Etwas anderes hat es ja nicht sein können. Es war natürlich
nicht förderlich, dass mich so gut wie niemand verstanden hat und ich auch sehr
wenige Freunde, Freundinnen, Kameraden, Kameradinnen hatte.
Was alles auch nicht wirklich hilfreich war in meiner Kindheit.
Da ich schon so wenige Leute um mich herum hatte, war es mir auch
nicht wirklich möglich, zu lernen, wie eine Gruppendynamik funktioniert. Auf
der anderen Seite: mir war schon sehr früh klar geworden, dass ich ein
Aussenseiter war. Irgendwie und irgendwo gab es keine Gruppe, in der ich mich
hätte wohlfühlen können. Das lag sicher auch daran, dass ich mich nirgends
wirklich verstanden gefühlt habe.
Was auch der reine Horror für mich war:
Wenn der Lehrer mich etwas gefragt hat und ich sollte das Ganze
erklären. Meine Fresse und noch mehr meine Güte! Das war jedesmal ein Alptraum.
Auch wenn ich es für mich verstanden hatte: ich war nicht fähig es von „meiner
Sprache“ in die „allgemein gültige Sprache“ zu übersetzen. Kein Wunder hat sich
dann jeder gewundert, dass ich zwar mit den richtigen Lösungen um die Ecke
gekommen bin, aber nicht erklären konnte, wie ich zum Ziel gekommen bin.
Das auch das, das Selbstvertrauen in die Tiefe gerissen hat, ist
sicher klar und auch verständlich.
Vor allem in Sachen Mathematik: dort kommt es ja vor allem auf den
Lösungsweg an. Das immer wieder zur richtigen Lösung gekommen bin, aber den
Lösungsweg nicht habe angeben können, das hat sich selten gut auf die Note
ausgewirkt. Eigentlich eher sehr schlecht.
Frust war mein damaliger Nickname. Grosser Frust der NickNickName.
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