Freitag, 6. Juni 2014

Seite 13: Kapitel 01 – Erster Abschnitt

persistieren
per|sis|tie|ren
 V.
veraltet
 (auf etwas) bestehen, insistieren, nicht (von etwas) ablassen
Med.
 fortdauern, anhalten (von Krankheiten)
[< lat. persistere]
Da sitze ich also wieder einmal an meinem Tisch und lese. Dann taucht mitten im Satz dieses Wort auf: persistieren. Coole Sache, doch, das Wort imponiert mir so was von ganz gewaltig.
Ja, aber ich denke, der Autor hätte von Anfang an schreiben können, dass die Störung von der Kindheit bis zum Tod anhält. Was wäre das einfacher gewesen.
Persistieren. Also echt. Mir geht gerade durch den Kopf, dass so viele, oder auch weniger, Menschen sich immer wieder beschweren, dass die Deutsche Sprache dem Untergang geweit sei. Wenn ich so ein Wort in einem Satz sehe, dann habe ich den leisen Verdacht, dass sie recht haben könnten.

Nosologie
No|so|lo|gie
 f.; n; Med.
 Zweiggebiet der Pathologie, das sich mit der systematischen Beschreibung der Krankheiten befasst, Krankheitslehre
 [< Noso +logie]

Pathologie
Pa|tho|lo|gie
 f.; ; unz.; Med.
 Lehre von den Krankheiten
 [< mlat. pathologia < grch.pathos »Leiden, Krankheit« + logie]

·        

schizoid


Für einen Satz musste ich diese Wörter nachschlagen und, he, den Satz verstehe ich noch immer nicht ganz. Auf jeden Fall bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich den Satz richtig verstanden habe.
Das ist dann bei mir oft der Moment, wo ich das Buch zur Seite lege und mir sage: Scheiss drauf .. wenn es jemand nötig hat, so zu schreiben, will er oder sie vielleicht gar nicht, dass man versteht, um was es eigentlich geht. Er oder sie will vielleicht missverstanden werden.

Für was gibt es eigentlich die Deutsche Sprache, wenn man sie nicht anwendet????

So, machen wir weiter im Buch.
Jetzt fängt es an, interessant zu werden.

Wie festgestellt worden ist, fallen Kinder ab dem dritten Lebensjahr durch eine besondere Wesensart auf.

Wobei ich mich gerade frage: was bedeutet in diesem Zusammenhang Wesensart? Soll ich hier mit Persönlichkeit, Charakter, Wesen, Veranlagung übersetzen?
Veranlagung hört sich sicher mal gut an. Ja, ich denke, in diesem Zusammenhang lässt sich damit sehr gut arbeiten?

Wie zeigt sich das nun bei den Kindern?

„Den Kindern fehlt das kindhafte“. Ich für meinen Teil habe es so übersetzt, um damit arbeiten zu können: Es sind Jugendliche / Erwachsene im Körper eines kleinen Kindes. Sie lesen viel, bleiben lieber für sich alleine, halten sich gerne von anderen fern, zeigen wenige bis sehr wenige Gefühlsregungen.

Was zu allem hinzukommt und, von mir aus gesehen eine sehr gute Sache sein kann; es hat Aspies, die sehr bis hochbegabt sind, mit dem Nachteil, dass sie im „richtigen, praktischen Leben“ ein „wenig“ ungeschickt sind oder sein können.

Was erschwerend hinzukommt: es fällt Asperger-Autisten oft schwer bis sehr schwer, sich in Gruppen einzuordnen, was auch das Spielen mit anderen Kindern sehr schwer macht.
Wenn ich meine Augen nach innen verdrehe, ein wenig in meinen Erinnerungen abtauche, stelle ich das eine oder andere fest:

Ja, als ich noch ein Kind war, habe ich wirklich schon sehr viel gelesen. Ich sollte ja nicht damit angeben, aber ich denke einmal, dass ich während meiner Zeit bei meiner Grossmutter, sicher über 1000 Romane gelesen habe: Jerry Cotton, John Sinclair, Lassiter, G.F. Unger, Tony Ballard und noch ein paar mehr. Sicher, das sind Romane, keine wirklich hochstehende Literatur, aber he, gelesen ist gelesen.


Dann kommen noch alle Bücher dazu, die ich während meiner Schulzeit gelesen habe. Ich gehe einmal davon aus: mit all dem könnte ich eine kleine Bibliothek auffüllen. Oder ich müsste bei einem Haus mindestens ein Stockwerk anbauen, damit ich das alles lagern könnte.


Was soll ich sagen: ja, schon während meiner Kindertagen blieb ich gerne für mich alleine. Das hat daran gelegen, dass ich schon zu der Zeit so was von gar keine Ahnung hatte, wie ich mit meinen Mitmenschen umzugehen hatte. Da gab es auf der zwischenmenschlichen Ebene so vieles, dass ich nicht wusste, nicht einmal wusste, wie man danach nachfragen sollte.

Ja, ich gebe es zu: ich wurde sehr schnell ärgerlich, wütend. Damals wusste ich nicht, was da mit mir passiert. Heute sehe ich, dass ich wütend wurde, weil ich einfach die ganze Zeit am Anschlag gelaufen bin.

Da gab es so vieles, das mich hat verzweifeln lassen. So vieles, das mich hat am Anschlag laufen lassen. Immer wieder habe ich auf gewisse Dinge falsch reagiert, aber, nur weil ich es nicht besser gewusst habe. So viele Dinge, in Sachen Kommunikation, die nicht funktioniert haben: sei es, dass ich etwas erklären wollte und mein Gegenüber mich einfach nicht verstanden habe. Mit jedem neuen Anlauf der Erklärung lief es noch schlechter, was mich an mir selber hat zweifeln lassen.
Mit der Zeit war ich so sehr davon überzeugt, dass ich einfach nur dumm und blöd bin. Etwas anderes hat es ja nicht sein können. Es war natürlich nicht förderlich, dass mich so gut wie niemand verstanden hat und ich auch sehr wenige Freunde, Freundinnen, Kameraden, Kameradinnen hatte.

Was alles auch nicht wirklich hilfreich war in meiner Kindheit.
Da ich schon so wenige Leute um mich herum hatte, war es mir auch nicht wirklich möglich, zu lernen, wie eine Gruppendynamik funktioniert. Auf der anderen Seite: mir war schon sehr früh klar geworden, dass ich ein Aussenseiter war. Irgendwie und irgendwo gab es keine Gruppe, in der ich mich hätte wohlfühlen können. Das lag sicher auch daran, dass ich mich nirgends wirklich verstanden gefühlt habe.
Was auch der reine Horror für mich war:

Wenn der Lehrer mich etwas gefragt hat und ich sollte das Ganze erklären. Meine Fresse und noch mehr meine Güte! Das war jedesmal ein Alptraum. Auch wenn ich es für mich verstanden hatte: ich war nicht fähig es von „meiner Sprache“ in die „allgemein gültige Sprache“ zu übersetzen. Kein Wunder hat sich dann jeder gewundert, dass ich zwar mit den richtigen Lösungen um die Ecke gekommen bin, aber nicht erklären konnte, wie ich zum Ziel gekommen bin.

Das auch das, das Selbstvertrauen in die Tiefe gerissen hat, ist sicher klar und auch verständlich.

Vor allem in Sachen Mathematik: dort kommt es ja vor allem auf den Lösungsweg an. Das immer wieder zur richtigen Lösung gekommen bin, aber den Lösungsweg nicht habe angeben können, das hat sich selten gut auf die Note ausgewirkt. Eigentlich eher sehr schlecht.

Frust war mein damaliger Nickname. Grosser Frust der NickNickName.

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